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St. Adelphus

St. Adelphus
St. Adelphus

St. Adelphus in Salz

1. Die Entstehung und Entwicklung von Pfarrei und Kirchspiel

In Veröffentlichungen wird die Entstehung der Pfarrei schon vor 1150 vermutet. Im Mittelalter erfolgte von Trier aus eine Missionierung der rechtsrheinischen Gebiete auch an der Lahn entlang bis nach Dietkirchen. Von Dietkirchen wurde der christliche Glaube nach Norden ins Elbbachtal und seine Seitentäler verbreitet. Ein geistlicher Mittelpunkt und Urpfarrei könnte das Gebiet um den Blasiusberg (Blesberg) mit einer Michaelskirche, später Blasiuskirche, gewesen sein. Aus dieser Urpfarrei wurden dann Pfarreien wie Gemünden und Salz herausgelöst. Schon 1211 finden wir die Erwähnung eines Priesters Albert und 1234 eines Pfarrer Wigand. Eine vollständige Liste aller Seelsorger bis zu den Pfarrern Pascher, Hubrich und Jonietz liegt vor.

Die Reformation wurde nur für kurze Zeit wirksam und im Jahre 1564 mit der grundherrschaftlichen Übernahme des Gebietes durch Kurtrier beendet. Um 1580 (1662 bestätigt) wurden das "Oberkirchspiel" um Kölbingen-Möllingen und die Pfarrei Hahn abgetrennt. Beim Erzbistum Trier (Im 18. Jahrhundert war Joh. Philipp v. Walderdorff Kurfürst und Erzbischof) blieb Salz bis zur Gründung des Bistums Limburg im Jahre 1827. Bis zum 31.12.2015 gehörten die Dörfer Salz, Girkenroth, Bilkheim, Weltersburg und Guckheim zur Pfarrei Salz.

2. Das Sankt Adelphus Stift

Die Diezer Grafen gründeten zwischen 1234 und 1255 für die Gruppe der Seelsorger in Salz das Sankt Adelphus Stift, um ihren Einfluss im Norden der Grafschaft auszubauen. Die gräfliche Familie wollte durch die Stiftung einmal die Fürsorge für die ihr unterstellten Christen zeigen, aber auch für ihr eigenes Seelenheil versorgen. Die vier Kanoniker, d.h. Chorherren, lebten in Salz unmittelbar im Bereich der Kirche in eigenen Häusern mit eigenem Hausstand. Neben dem Dekan, erwähnt ist der Dekan Diedrich (1261 und 1273), gab es keinen anderen Würdenträger. Obwohl die Kanoniker nicht wie die Mönche in einem Kloster lebten, hatten Sie doch eine feste verbindliche Regel (constitutiones capituli). Mit der Gründung des Stiftes waren auch Zuwendungen in Form von Abgaben der Bevölkerung an das Stift verbunden, von denen die Chorherren ihr Leben bestreiten mussten. Die vielen Adelsfamilien in diesem Bereich schenkten dem Stift Zehnten und andere Abgaben, meist in Naturalien, die jedoch von den Bauern aufzubringen waren. Die Adeligen (von Molsberg, von Witzelbach, von Ottenstein, von Neuroth, von Reifenberg, von Brambach, von Irmtraut, von Walderdorff u.a.) erhielten in der Stiftskirche ihre Begräbnisstätten.

Im Jahre 1289 wurde das Stift nach Diez verlegt, weil die Vermögensgrundlage in Salz wohl zu gering war und die Grafen in Diez ein größeres Stift (Sankt Marien) und eine Stiftskirche errichten wollten. Nur ein Präband blieb in Salz, der aber bei der Wahl des Dekans in Diez ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. An das Stift erinnert heute noch der Ortsname "Klaus" des Gebietes unterhalb der Untergasse und deren Gebäude.

3. Das Patrozinium des heiligen Adelphus

Der heilige Adelphus lebte im 4. Jahrhundert als Bischof in Metz. Seine Reliquien wurden 826 nach Neuweiler im Elsass gebracht, wo eine dem Heiligen geweihte Stiftskirche erbaut wurde. In dieser Kirche erzählen Wandteppiche von dem aufopfernden Einsatz des Heiligen für seine Mitmenschen und den Wundern, die nach seinem Tode auf Fürbitten zu ihm geschahen. Bezeugt wurde das Patrozinium zuerst 1234 und dann auf einer Glocke im Jahre 1451.

1985 wurde bei einer Wallfahrt von Gläubigen aus Salz nach Neuweiler während eines feierlichen Gottesdienstes eine Reliquie übergeben und anschließend nach Salz gebracht. Diese wird heute in einem Bild auf der rechten Seite vom Übergang des Hauptschiffes zum Chor aufbewahrt.

4. Die Baugeschichte der Kirche

Mittelpunkt der schon Ende des ersten Jahrtausends bestehenden Salzer Pfarrei war eine Pfarrkirche. Ein Blattkapitell des 11. Jahrhunderts, angeblich aus Salz, jetzt in Schloss Molsberg, könnte in einer Vorläuferkirche seinen Platz gehabt haben. Die jetzige romanische Basilika ist wohl vor Ende des 12. Jahrhunderts erbaut und später durch einen spätgotischen Chorschluss ergänzt worden.

Die Seitenschiffe wurden nachträglich nach Westen verlängert. Nach dendrochronologischen Untersuchungen stammen die Holzproben aus den Jahren 1259. 1451, 1637 und 1839. Die Grabungen und die dadurch zu Tage gekommenen Bodenproben bei den Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten im Jahre 1987 lassen den Schluss zu, dass die Kirche mehrmals durch Brand und andere äußere Einwirkungen beschädigt und wiederaufgebaut wurde.

5. Die Baugestalt der Kirche

Flachgedeckte Pfeilerbasilika, Abstufung- Seitenschiff, Chor, Mittelschiff, Turm- noch gut sichtbar. Ungegliederter Westturm, je zwei rundbogig gerahmte Zwillingsschallfenster mit Würfelknaufsäulen, Erdgeschoss ohne Pforte, Zeltdach. Das Innere flachgedeckt mit gliederlosem runden Ostbogen.

Abmessungen des Bauwerks:

Breite:                           14,91 m
Länge:                          41,90 m inkl. Turm (6,30 m)
Höhe des Turms:       30,00 m

Grundriss im Inneren:
Langhaus von fünf Achsen mit niedrigen runden Scheidbögen auf Geviertpfeilern. Mittelschiff von steilen Verhältnissen, hohe Sargwand. Das südliche Seitenschiff spätgotisch gewölbt und nachträglich mit Stichbogenfenstern versehen. Neben Chor tonnengewölbte Kapellen, Verbindung der drei Räume durch Rundbogen, Chorbogen gotisch.

(Quelle: Kubsch-Verbeek, Romanische Kunst an Rhein und Mosel, Berlin 1976, Bd. II, Auszug)

6. Restaurierung und Renovierung

Im Jahre 1987 begann eine umfassende Restaurierung und Renovierung, die von Richard Lauf in einem umfangreichen Tagebuch und auf etwa 100 Dias dokumentiert wurde. Bei den Grabungen kamen Skelette und Skelettteile in Gräbern zum Vorschein. Außerdem konnte vielfältiger Bauschutt erkannt werden, der aus der Kirche selbst stammte. Auch Bodenbeschaffenheit und Aufffüllmassen zeugten von dem Aufbau, den Beschädigungen und der Renovierung der Kirche in früheren Zeiten.

Interessante Einblicke geben Rechnungen und Belege über Einnahmen und Ausgaben einer Renovierung in den fahren 1678 bis 1681, die Hubert Teusen in der Kirchenchronik entdeckt und ausgewertet hat. Restauratorische Untersuchungen ergaben, dass sich unter dem Putz eine komplette ornamentale und figürliche Ausmalung aus barocker Zeit befindet.

Aus finanziellen Gründen war eine Rekonstruktion nicht möglich. So wurde eine einfache Fugenmalerei (wie auch in St. Lubentius, Dietkirchen) aufgetragen, und die alten Befunde blieben unversehrt unter dem Putzerhalten. Vor der Erneuerung des Innenanstrichs wurde eine neue Heizung eingebaut, der Fußboden teilweise erneuert, die stark beschädigten Rautenfenster ausgewechselt, die Beschallung modernisiert und drei große Kronleuchter aus Messing angeschafft. Fachleute reinigten und konservierten die barocken Figuren und andere historische Ausstattungsgegenstände.

7. Die heutige Kirchenausstattung

In der Dia-Show sehen sie die wertvollen Ausstattungsgegenstände in unserer Kirche (von links nach rechts im Uhrzeigersinn betrachtet)

1. Nördliches Seitenschiff
Taufstein (nach den Haushaltsaufzeichnungen in unserem Pfarrarchiv wurden Maurermeister Hanste aus Hunsangell im Februar 1681 7 fl. (= Gulden) 14 alb. dafür gezahlt, „daß er den Taufstein transferiert und aufgemauerth wie auch von anderer flick arbeit so ausgepesert in der Kirch“) / Kreuzigung Jesu mit Kruzifix (Gemälde und Skulptur) / Grabplatten von Adeligen (z.B. von Reifenberg)

2. Chor
Walderdorffscher Betstuhl / Jesus an der Geiselsäule (16. Jh.) /  Der heilige Bischof Nikolaus / Grabplatten, (z.B. Walderdorff) / Sakramentsnische (um 1500) / Levitenstuhl (1478) / Thronsessel, (aus verschiedenen alten Gegenständen hergestellt) / Wappen an den Schlusssteinen an der Decke ( z. B. Trier, Reifenberg, Brambach, Ottenstein u. a.) / Grabplatten (z.B. Brambach) / Der heilige Franziskus

3. Hochaltar (1730)
Den reichen Hochaltaraufsatz zieren Bildwerke der „Hadamarer Schule“: Der heilige Johannes / Die heilige Muttergottes Maria / Die heilige Anna (über der Muttergottes) / Der heilige Martin (über der heiligen Anna) / Der heilige Adelphus (Schutzpatron und Bischof)

4. Südliches Seitenschiff
Josefsaltar / alter Grabstein

5. Mittelschiff (Die Skulpturen stellen die Patrone der einzelnen Dörfer dar, außer der Katharina.)
Weihwasserkessel (gestiftet v. Fam. Brambach) / Der heilige Laurentius (15. Jh.) /  Die heilige Margaretha (Fackel, Drache), Herschbach / Der heilige Blasius (Kerze), Weltersburg / Ikone (Maria mit dem Kind) / Der heilige Sebastian (Pfeile), Girkenroth / Johannes der Täufer (Lamm), Guckheim / Reliquie des heiligen Adelphus / Die heilige Barbara (Turm), Bilkheim / Die heilige Katharina (Rad)

6. Brüstungen unter der Orgel:
Untere Brüstung: Jesus und die Evangelisten
Obere Brüstung: Päpste